Die Parkbank


Die Parkbank

Sie sind aus Holz, Metall oder Kunststoff: die Parkbänke. Modern und klassisch in der Wirkung, zumeist öffentlich und im Freien aufgestellt. Sie trotzen Wind und Wetter. In erster Linie sind sie in den namensgebenden grünen Erholungsrefugien von Städten anzutreffen. Nicht selten finden die Sitzgelegenheiten auch auf vielen Aussichtspunkten in Wald- oder Berggebieten Verwendung. Für mich ganz besondere Exemplare sind gar in Stein geschlagen. Von der Sonne aufgeladen, entfalten diese Kunstwerke ihre ganz eigene wärmende und optische Wirkung.

Die Bänke sind für mich aber mehr als einfach nur geleimte Bretter, geformte Latten oder raffiniert gestaltete Sitzplätze. Sie bieten Raum zum Verweilen, sie sind gleichsam Träger von Menschen und ihren Geschichten. Sie sind Lieferanten für Ideen, Inspirationen, für das Leben in all seinen fein dosierten Facetten. In das Holz geritzte Botschaften transportieren Gefühle, Gefühle von Personen in deren Momentaufnahmen und Stimmungslagen. In einer Zeit der Freude oder in Minuten der Trauer, mitunter des Zorns.

 

Parkbank mit Laub umwachsenVersteckt und Verwachsen

 

Immer wieder ertappe ich mich dabei, mich auf eine entdeckte Bank zu setzen und für einen Augenblick inne zu halten und den Gedanken Raum für „Spielereien“ zu geben: „Wer mag hier als Letzter gesessen sein?“, „War ein Telefonat oder Ruhe das Ziel?“, „Vielleicht wurde auf einen lieben Menschen gewartet?“, „Etwaig war jemand eingeschnappt und wollte einfach nicht mehr weitergehen?“ Es sind Fragen wie diese, die mich einfangen, und wenn es nur für eine kurze Zeit ist.

 

Parkbank in der AbendsonneMarkante Einschnitte

 

Winkel der Welt

So nutze ich den Platz um die Umgebung aufzusaugen, sie in Gedankensprünge umzuwandeln, die Parkbank als besonderen Winkel der Welt wahrzunehmen. Für mich sind sie nahezu perfekte Schreiborte, die es geschickt verstehen, sich in ihre Umgebung zu integrieren und mit ihr zu spielen. Mehr noch. Das Spielen mit der Fantasie und herbeigedachten Möglichkeiten birgt einen Reiz, der das Bewusste und Unbewusste für einen klitzekleinen Zeitpunkt verschmelzen lässt. Anders kann ich es nicht beschreiben. Es steckt so viel mehr hinter der vermeintlich ersten Einfachheit. Sich bewusst darauf einzulassen, öffnet Türen und beschreitet neue Wege in das schreiberische Selbst.

 

Die Friedhofsbank und der Bär

„Seit Wochen sitzt er schon da, der Bär. Trotzt jedem Wind und Wetter. Wie er an diesen Ort, auf diese Bank gekommen ist, das weiß niemand so recht. Wer ihn hergebracht hat oder vergessen. Er wacht, begleitet, spendet Trost. An all diejenigen, die Verlust erfahren haben. So scheint es. Die Bank als Ort der Zuflucht, als Ort der Erinnerung, als Ort der Anteilnahme. Das Stofftier erzählt eine ganz eigene Geschichte. Eine Geschichte, die für jeden anders ist, der vorbeikommt. Sich vielleicht für einen Moment zu ihm setzt, auf die Friedhofsbank.“

 

Bär auf der Friedhofsbank

Schlagwörter: , ,
W.H.

Bin federführend, das Projekt Buchwurm ist eine ganz persönliche Herzensangelegenheit. Schreiben bedeutet für mich, sich auf Perspektiven einzulassen, Sichtweisen anderen gegenüberzustellen oder miteinander neu zu verfassen. Schreiben bedeutet aber auch, Verflechtungen von Gedanken in der Welt von heute neu zu ordnen.

Das könnte dir gefallen

Der Lendkanal

Der Hafen (Schreiborte)

Leuchtturm

LEAVE A COMMENT

Wer schreibt hier

Wolfgang Hoi: Blogger, Zeilenmacher und Geschichtendenker.

Wolfgang Hoi: Blogger, Zeilenmacher und Geschichtendenker.

"Es ist mehr als nur Fantasie, die den Buchstaben innewohnt. Es ist jeder einzelne Charakter, der den Feinschliff der Verwendung erhält. In seiner Kombination unverwechselbar und konkret."

Archive

RSS Neues auf Buchwurm

  • Die Katze, sie schnurrt
    Die Katze, sie schnurrt (Ambient Sound)   „Samtig weich und anschmiegsam. Gefällt es jedoch nicht, Obacht vor den scharfen Kanten. Leise tänzelnd wenn gewollt, jedoch reich an Stimme andersrum. Das Erscheinungsbild, so grazil und mustergültig in Bewegung. Nobel ist die Ruhe aus der Übersicht, ein Pol der Gegensätze, das Spiel des Wechsels. Was sein muss, […]