Fröhliche Wintergeschichten zum Vor- und Selberlesen


Fröhliche Wintergeschichten zum Vor- und Selberlesen

Neue Lieblingsgeschichten für Groß und Klein. Wenn die Tage kürzer werden, beginnt die Zeit der spannenden Geschichten in der warmen Stube. Eva Brislinger nimmt euch mit auf eine fröhliche Reise in ein Winterwunderland, in dem sich allerhand vergnügliche Gesellen tummeln: Ein brummiger Wintergeist, ein tropfender Eistroll, ein schlimmer Hauskater, eine Eule mit Sprachfehler, ein kleines Weihnachtskrippenschaf, ein gar grässlicher Gruselgrunzer, ein Schneemann mit seiner Krähe und viele andere mehr bescheren euch zauberhafte Stunden rund um die Weihnachtszeit.

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SOL_8698_weihnachtsbuchEva Brislinger Foto: Privat

 

Leseprobe einer Geschichte

Zeit zum Spielen
oder
Die Geschichte von den zwei Wanderratten

 
„Wenn es weiterhin so kalt ist, friert mir noch der Schwanz ein“, murrte Robby und rieb sich die klammen Pfoten. Bisher war der Winter recht mild gewesen, aber genau jetzt, am Weihnachtsabend, hatte es begonnen zu schneien und die Temperaturen waren unter den Gefrierpunkt gerutscht. Robby und Fips, die beiden Wanderratten, waren vom Wetter völlig überrascht worden. Und ihr Winterquartier war noch weit, weit weg.

Langsam senkte sich die Dunkelheit über den Wald und die beiden bahnten sich ihren Weg durch den immer tiefer werdenden Schnee. Der kleine, quirlige Fips lief voraus. Er fiepte fröhlich vor sich hin und warf dem großen, dicken Robby einen Schneeball an den Kopf. Robby grummelte und wälzte seinen dicken Bauch behäbig durch den Schnee. „Mir ist kalt. Ich bin müde. Meine Beine tun weh und ich hab Hunger“, brummelte er missmutig vor sich hin. Klatsch. Gerade traf ihn wieder ein Schneeball. „Und ich hab einen Quälgeist als Reisegefährten“, murmelte er resignierend.

Aufgeregt kam Fips herbeigelaufen. „Robby, Robby! Ich hab dort vorn ein Licht gesehen!“ Er sprang hoch und nieder, machte einen Purzelbaum und ließ sich mit Genuss in den Schnee fallen. „Na Gott sei Dank!“, seufzte Robby. „Jetzt gibt’s endlich was zu essen. Und wenn es nur ein alter Stiefel ist.“

Das ungleiche Duo näherte sich der Jagdhütte, aus deren Fenster helles Licht strahlte. Fips hüpfte auf das Fensterbrett und lugte vorsichtig hinein. Drinnen stand ein ordentlich gedeckter Tisch – mit Wildbraten, Linsenpüree, Speckknödeln, gebratenen Äpfeln und Kastanien, eingelegten Pflaumen, Salaten, Saucen und noch allerhand anderen Köstlichkeiten. Der Jäger und seine Frau saßen gerade beim Festtagsmahl und ließen es sich richtig gut gehen. Im Kamin flackerte ein munteres Feuer.

 

Zeit zum Spielen

 
„Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt. Robby! Hier sind wir genau richtig! Das wird dir gefallen!“, rief Fips hinunter. Der dicke Robby war unter dem Fenster stehen geblieben und hielt Ausschau. „Ich bin mir nicht sicher“, meinte er. „Weil du gerade Hund sagst … hier riecht’s irgendwie komisch.“

„Ach, so einen kleinen Wauwau tricksen wir doch mit links aus“, rief Fips unbekümmert und hüpfte von der Fensterbank. „Es riecht zwar auch nach Hund, aber da ist noch etwas“, gab Robby zurück, „wir müssen vorsichtig sein.“ Achtsam spähend schlichen sie um die Jagdhütte herum und fanden an der Rückseite ein gekipptes Kellerfenster. Fips schlüpfte flugs durch den Spalt und dicht hinter ihm drückte sich Robby mit seinem dicken Bauch hindurch. „Ahhh, diese Wärme! Die weckt gleich neue Lebensgeister.“ Robby freute sich und lächelte zum ersten Mal an diesem Tag. „Auf los geht’s los! Sehen wir mal, ob wir etwas zum Beißen finden. Ein Stückchen Speck, einen reifen Käse oder eine saftige Birne. Mmh …“ Fips lief bereits das Wasser im Mund zusammen.

Da hörten sie eine sanfte, weibliche Stimme in einem vornehmen Singsang rufen: „Oh, wie herrlich das duftet! Was kann das nur sein? Ein saftiger Braten vielleicht?“ Doch dann änderte sich die Stimme, wurde tiefer, gemeiner und drohender. „Oder vielleicht zwei Satansbraten … Wanderratten!“ Und als das letzte Wort ausgesprochen war, landete direkt vor ihnen eine geschmeidige Perserkatze und funkelte sie gierig an. „Es ist Zeit zum Spielen!“, rief sie und zeigte ihre perlweißen Zähne. Fips und Robby quietschten laut auf und sprangen so schnell, wie es nur irgendwie ging, auseinander. Es war der Beginn einer wilden Verfolgungsjagd. Es ging die Treppe rauf und wieder runter, quer durch das Vorzimmer, ins Badezimmer, in den Wäschekorb hinein und wieder heraus, über das Waschbecken, ins Schlafzimmer, rauf aufs Bett, unter das Bett, zwischen den Vorhängen hindurch und dann, zu guter Letzt, jagte die Katze die beiden Ratten in die Speisekammer. Und da geschah das Unvermeidbare.

„Na, du kleines, rundes Leckerli. Du siehst ja zum Anbeißen aus!“, flötete die Katze und drückte Robby mit ihrer Pfote zu Boden. Jetzt hatte sie ihn. Fips hockte hoch oben auf einer Schnur, an der Speckseiten zum Trocknen hingen, und sah hilflos zu.

Die Katze kam mit ihrer Schnauze immer näher und näher an Robby heran. „Ich werde dir schon zeigen, wozu eine Wanderratte fähig ist!“, schnaubte Robby völlig außer Atem und machte sich bereit, ihr mit seinen spitzen Zähnen in die Nase zu beißen.

Da hielt die Katze inne. Sie sah ihn milde lächelnd an, legte den Kopf zur Seite und sprach ganz entspannt: „Danke für das schöne Spiel!“ Dann ließ sie ihn los, drehte sich mit hoch erhobenem Schwanz elegant um und ging zur Tür der Speisekammer. Dort blickte sie noch einmal zurück und schnurrte: „Frohe Weihnachten, ihr beiden! Aber wenn ihr morgen noch da seid, geht unser Spiel in die Verlängerung.“ Sie zwinkerte ihnen zu und verschwand. Und ließ zwei völlig verdutzte Wanderratten in der Speisekammer zurück.

„Juchhu-hu! Das war super!“, rief Fips von seinem Strick herunter, umarmte die nächste Speckseite und begann auch sofort, an ihr zu knabbern. Robby aber musste sich zuerst einmal setzen und atmete tief durch. „Blödes Spiel“, murrte er. Und dann stopfte er ein riesiges Stück Käse in sich hinein.

 

 

ISBN-10: 3853121276
ISBN-13: 978-3853121276

 

 

W.H.

Bin federführend, das Projekt Buchwurm ist eine ganz persönliche Herzensangelegenheit. Schreiben bedeutet für mich, sich auf Perspektiven einzulassen, Sichtweisen anderen gegenüberzustellen oder miteinander neu zu verfassen. Schreiben bedeutet aber auch, Verflechtungen von Gedanken in der Welt von heute neu zu ordnen.

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Wolfgang Hoi: Blogger, Zeilenmacher und Geschichtendenker.

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